Chillen und segeln in südlicheren Breiten

Die OSG bei Sail & Surf Pollensa

Natürlich haben wir die Alster alle lieb – ihre Böen, ihre spontane 30-Grad Überraschungseffekte, ihre Tretboote und Stand-up Paddler sind uns ja ans Herz gewachsen. Aber warm und mild ist es hier nicht immer. Und obwohl wir das auch an Hamburg lieben, tut ein Ausflug in die gemäßigteren Breiten Spaniens vielleicht auch mal gut!

Genauer gesagt nach Port de Pollença auf Mallorca. Da pflegt die OSG seit längerem eine Beziehung mit der Schule Sail & Surf Pollensa, wo sich jedes Jahr eine Gruppe für eine Woche Gleitjollen- und Katamaran-Segeln einquartiert. Gut, dieses Jahr hat das Wetter eher verkehrt rum gedacht und war nicht ganz so mediterran milde wie erhofft, aber es hat dem tollen Segeln kein Abbruch getan! Kein Stück!

Die geschützte Bucht von Pollença bietet angenehm verlässliche thermische Winde und reichlich Platz zum austoben. Und nein, man muss nicht schnell noch ’nen Spanisch-Kurs besuchen: gesegelt wird wie gewohnt auf deutsch. Mit dem Trainer-Boot an der Seite kriegt man viele Tipps, wie man sein Können aufbaut, egal welches Level, und kann getrost Sachen ausprobieren wo die Handgriffe vielleicht noch nicht 100-pro sitzen. Wenn gekentert wird, gibt’s sicher ein waches Auge, dass man auch wieder hoch kommt.

Und apropos kentern: viel und oft! Den guten langen Neopren-Anzug sollte man nicht zu Hause im Schrank lassen. Selbst in Spanien ist die Wassertemperatur im April gerne noch „sportlich“ frühlingshaft. Sollte die Tasche aus allen Nähten platzen, kann auch vor Ort ausgeliehen werden. Man ist sich aber selbst im Frosch-Anzug auf der Straße guter Gesellschaft sicher: zwischen schwirrenden Fahrradkolonnen, kenterfreudigen Segelschülern und Iron-Man-Anwärter blüht und gedeiht das Geschäft mit Lycra-Kleidung aller Art in diesem kleinen Küstendorf wie sonst nirgends.

Aber zurück zum Anfang. Für Unterkunft in Appartements ist gesorgt (denkt an die gute alte WG-Zeit zurück!) und jeder organisiert Anreise selber wie es am besten passt. Dank des Flugplans bilden sich in null komma nix Reisegruppen und dank der fortschrittlichen Technologie der Whatsapp-Gruppe muss keiner die Anreisestrapazen ohne Neid-Bilder und sarkastische Kommentare alleine durchstehen. Offiziell gelehrt und gelernt wird ab Montag. Ist man also erst mal angekommen, hat man etwas Zeit die kleine Stadt kennenzulernen und sich einzugewöhnen. Wetter (und Ehrgeiz) entsprechend kann auch frei gesegelt werden.

Die Gruppe ist, wie man es in der OSG gewohnt ist, vielfältig: manche sind zum ersten Mal da und manche zum 10. Mal (es gab sogar eine Ehrung!), manche sind Gleitjollen-Einsteiger bzw. Umsteiger und manche recht fortgeschritten, manche die die morgendliche Joga-Stunde nicht ausfallen lassen, manche die mit Anschluss an den Iron-Man-Ehrgeiz am Strand liebäugeln aber dann doch noch lieber noch n Stündchen in der Liege schlummern und manche mit ungeahntem Talent in Sachen Bier-Dosen-Turm bauen. Für jeden ist eben was dabei.

Am Montag kommt dann der erste Treff im Schule-Cafe-Restaurant-Büro des Organisators, wo die Lehrer vorgestellt und die Gruppen eingeteilt werden. Auch Segler außerhalb des OSG-Kosmos lernt man hier kennen und segeln. An dieser Stelle trennen sich dann zum Teil die Wege, je nach geplantem Kurs: Katamaran oder Gleitjolle und Einsteiger/Umsteiger oder Fortgeschrittene. Je nach Einteilung wird dann halbtags entweder vormittags oder nachmittags in Begleitung vom Trainer gesegelt. Die andere Hälfte des Tags gestaltet man nach Lust und Laune mit Dorf erkunden, pflichtbewusst WG-Einkauf erledigen, Spaziergang im anliegenden Naturschutzgebiet oder einfach den vor-abendlichen Dosenkonsum weg dösen.

Gegen Abend finden sich dann alle zum Geschichten-Austausch wieder ein. Es wird gekocht und geschnackt während das Neopren auf der Terrasse trocknet und die Sonne untergeht. Wenn der Wind einfach zu toll war und alle ganz schön geschafft sind, lässt man das kochen auch mal sein und geht gemütlich zusammen essen. Es ist alles nicht weit und ein abendlicher Gang an der Strandpromenade ist immer gut für die Hamburger Seele.

Am letzten Tag wird dann in der hoch ehrwürdigen örtlichen Regatta, dem „Pollensa-Racing-Cup“, um die Wette gesegelt. Wie es sich gehört, wird abends zur Ehrung der Sieger, Gratulation der neuen Besitzer eines Katamaran-Scheins und zum leicht wehmütigen Abschied angestoßen. Falls der Flughafen-Shuttle am nächsten morgen doch arg früh kommt, kann man es bei einem auch gut sein lassen – oder aber einfach ein paar mehr werden lassen, so dass der Abend lang und die Nacht kurz bleibt.